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Es gibt sie, diese guten Momente. Meine Tochter ist seit Sylvester wieder in ihrer Wohnung und es scheint, als ob ihr der Krankenhausaufenthalt, vor allem natürlich die Tabletten, gut getan haben. Sie hat sich vorgenommen, einiges zu tun, will sich vielleicht einer Gruppe anschließen. Leider ist sie aber eben auch von den manischen Höhen in die Tiefen der Depression gefallen. Sie ist traurig, traut sich wenig zu und hat noch Angst, sich unter Menschen zu mischen.

Ich versuche, sie zu unterstützen, aber nicht zu drängen. Ich bin dermaßen glücklich, dass ich meine Tochter wieder erkennen, meine Judith, mit der ich mich gut unterhalten kann, die so freundlich ist. Vielleicht hat dieses “harte” Medikament, dass sie ca. 10 Tage bekam, doch geholfen. Nun ist sie wieder auf ein sanfteres Medikament der neueren Generation eingestellt und es scheint ihr gut zu tun.

Sicher haben wir alle Angst vor diesen Tabletten. Aber wenn sie ihr Monate oder gar Jahre von einem schöneren Leben geben - sollte man das nicht nutzen? Es ist ohnehin ihre Entscheidung. Ich will mich strikt daran halten, mich weniger einzumischen. Es kann ihr nur besser gehen, wenn sie selbst gute Entscheidungen trifft.

Mir geht es so gut, ich bin ihr auch so dankbar, dass sie dieses Mal “kooperativ” war, auch wenn ich sonst diesen Begriff nicht mag. Und ich will nicht dauernd Angst haben, weil ich denke, wie lange das wohl halten mag? Das teilt sich ihr mit, sie wird es intuitiv merken, ob ich sie kritisch beobachte oder ob ich ihr einfach zur Seite stehe, wenn Sie das wünscht. Und das will ich tun. Jeder gewonnene ruhige oder gar glückliche Tag ist wichtig für sie. Damit sie wieder den Glauben daran bekommt, dass sich etwas bessern kann.

Und auch für mich ist es wichtig. Ich kann die Dinge tun, die ich tun möchte - ich muss nicht gebannt auf das Telefon starren, ich muss nicht immer in Alarmbereitschaft sein. Ich werde diese gute Zeit nutzen, um auch wieder selbst mehr Ruhe in mein Leben zu bringen.

Ich war selbst erstaunt, aber ich habe ein schönes Weihnachtsfest mit meiner Tochter und anderen Familienmitgliedern verbracht. Noch vor 2 Wochen hätte ich nicht gedacht, dass es möglich ist. Aber der Krankenhausaufenthalt hat ihr gut getan. Sie nimmt wieder Tabletten und ist von einem Tag zum anderen ein neuer Mensch. Das freut mich, aber gleichzeitig wird mir auch die Wirkung der Tabletten fast unheimlich. Sie wirken - aber wie kann eine Tablette einen Menschen so ungeheuer verändern? Ich freue mich für sie, aber ich freue mich für mich selbst. Es ist wieder meine Judith, die mir so lange gefehlt hat. Sie macht Pläne - keine überzogenen, manischen, sondern kleine realistische Schritte - wobei immer noch ein wenig Ängstlichkeit und Selbstzweifel hinzu kommt. Lass mir Zeit, Mama, sagt sie. Ich kann nicht alles auf einmal machen.

Und sie hat Recht. Vielleicht erwarten wir Eltern auch manchmal einfach zu viel? Und achten nicht darauf, wie viel so ein - manchmal - kranker Mensch bereits tut. Und wie schwer es ihm oder ihr manchmal fällt - auch mit Tabletten.

Aber wie bei allen erfahrenen (alten) Angehörigen regt sich in mir bereits eine kleine Angst: Wird sie die Tabletten weiter nehmen? Tut sie jetzt nur alles, damit sie aus dem Krankenhaus entlassen wird? Sie ist klug, sie weiß, dass sie “kooperativ” sein muss, damit sie entlassen wird. Ich hoffe, dass sie selbst sieht, wie gut es ihr im Moment geht, aber auch, dass sie auch nach dem Krankenhaus noch Hilfe braucht. Aber sie muss sich das selbst organisieren.

Und das ist so schwer für uns alle. Aus den Kommentaren, die mich sehr berühren und für die ich dankbar bin, lese ich, wie schwer es uns damit geht, oft nur zuschauen zu können, wie ein kranker Mensch weiter und weiter in die Krankheit abgleitet. Das ist auch das Problem in unserer Beziehung zu den Ärzten oder dem gesamten sozialpsychiatrischen Umelf: Sie sehen unsere Kinder nur ab und zu. Sie helfen dann, wenn sie können, sie tun etwas. Wir aber sehen oder hören unsere Kinder oft fast täglich, wir sind im nicht-funktionierenden Alltag mit ihnen konfrontiert. Wir machen uns Sorgen, wenn wir nichts von ihnen hören, wir machen uns Sorgen oder werden wütend, wenn sie uns mit permanenten Anrufen und Forderungen überhäufen. Und dann verschieben wir unsere Wut auf Ärzte, die aus unserer Sicht nicht genug tun.

Ich habe lange auch so gedacht, aber manchmal frage ich mich, was sie denn tun sollten? Sie können nur in bestimmten Situationen eingreifen. Sie können uns nicht trösten, da sind sie nicht da. Sie können unsere Kinder nicht zwingen, zu ihnen zu gehen. Ich denke so viel darüber nach, wie wir Angehörige lernen können, mit dieser Situation besser umzugehen. Bis jetzt habe ich wenig Angebote gesehen, die diesen Aspekt berücksichtigen.

Ein Kommentar hat mich besonders berührt. Eine Angehörige schreibt, dass sie aus einer Familie mit vielen psychischen Krankheiten kommt und sie selbst fast dazu verdammt ist, “gesund” zu sein. Und das sie das manchmal als Fluch empfunden hat. Liebe Angehörige, dasselbe habe ich auch oft gedacht, weil ich aus einer ähnlichen Familie komme. Wenn alles zu schlimm war, dann habe ich mich gefragt, warum kannst Du nicht einfach krank werden und andere für Dich entscheiden lassen und Dich nicht kümmern müssen? Ich weiß, dass den Kranken gar nicht gut geht und dass sie gerne mit mir tauschen würden. Aber manchmal ist es wirklich eine Last “gesund” zu sein und sich um alles kümmern zu müssen.

Ich wünsche euch trotz allem noch schöne Festtage und glaube fest daran, dass das Neue Jahr ein gutes Neues Jahr wird. Auf jeden Fall werde ich alles dafür tun,d ass es das wird.

Meine Tochter ist wieder im Krankenhaus, diesmal nicht ganz so aufregend. Die Betreuerin hat die Feuerwehr angerufen und sie sind gemeinsam zu ihrer Wohnung gegangen. Sie ist dann relativ friedlich mit gegangen. Im Krankenhaus traf sie auf einen verständnisvollen Arzt, der ihr sagte, wenn sie freiwillig im Krankenhaus bleibt, dann könne sie auf die offene Station. Sie hat eingewilligt. Ich bin froh über diesen Arzt, denn er hat sie als Erwachsene behandelt und ihr eine Möglichkeit der Entscheidung gegeben.

Aber: Seit Mittwoch ist sie dort und kein Arzt und keine Krankenschwester haben mich angerufen. Wenn ich es nicht über die Betreuerin wüsste, wäre Judith dort ohne Kontakt zu mir. Heißt es nicht in vielen, vielen Vorträgen und Publikaionen,d ass den Ärzten die Integration und Beteiligung der Angehörigen in den Genesungsprozess so enorm wichtig sei? Immerhin haben die Schwestern ihr ermöglicht, auf dem Schwesterntelefon mich anzurufen. Nein, ein Patiententelefon gibt es nicht, sie müssen eben vom Handy aus anrufen. Was ist, wenn sie kein Handy haben? Judith hatte kein funktionierendes Handy mehr. Was ist, wenn sie kein Geld mehr für eine Prepaid-karte haben? Und wir wissen, wie oft unsere Kinder kein Geld mehr haben.

Und: Judith bekommt en Medikament, das sie noch nie bekommen hat. Wir kennen dieses Medikament  alle, es ist eines der “alten” Medikamente und macht schnell extrem fett, wie sie sich ausdrückt. Ich weiß, dass sie es absetzen wird, so bald sie aus dem Krankenhaus entlassen ist. Und ich weiß auch, was die Ärzte in solchen Fällen sagen “Aber das ist doch jetzt nicht wichtig (das Zunehmen), erst mal ist wichtig, dass es Ihnen besser geht” . Nein, für eine junge Frau ist es extrem wichtig, ob sie zunimmt! Es können 20 bis 30 Kilo im ersten Monat der Medikamenteneinnahme sein!!! Wer möchte das?

Warum wird kein Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt aufgenommen, um mit ihm abzustimmen, welches Medikament sie nehmen soll? Weiterlesen »

Meine Tochter macht mir wieder Sorgen. Wir Angehörigen, die ihre Kinder in einer Psychose erlebt haben, wissen, wie das ist. Plötzlich wird die Tochter wieder extrem nervös, klagt, dass sie nicht schlafen können und ist schnell aufgeregt und gereizt.

Ich überlege, wie ich ihr helfen kann, damit es diesmal nicht wieder zum Ausbruch einer Psychose kommt, sondern dass frühzeitig Unterstützung gefunden wird. Meine Tochter will nicht in ein Krankenhaus, niemals, keinesfalls. Da kann ich machen, was ich will, wie sie mir unmissverständlich mitteilt. Ich kann sie verstehen, die letzten Krankenhausaufenthalte waren nicht schön: Statt der Ruhe, die ein psychotischer Mensch braucht, herrschte dort Chaos und Lärm. Sie hatte eine Zimmernachbarin, die nachts herumgeisterte und laut Musik hören wollte, die Schwestern waren natürlich überlastet und die Ärzte waren zwar nett, wie sie mir sagte, aber doch eben selten erreichbar. Nein, nie wieder Krankenhaus.

Als Mitglied in einem Angehörigenverband habe ich schon viele Vorträge gehört über so genannte niederschwellige Angebote für Menschen in psychischen Krisen. Es gibt ein Weglaufhaus, in denen Menschen sich erholen können, ohne in den Fängen der Psychiatrie zu landen. Die Institutionen, die psychisch Kranken eine Ruhezone bieten, in der sie von Ärzten, Betroffenen und Angehörigen individuell und vorsichtig nach ihren Bedürfnissen betreut werden. Es gibt Tageskliniken. angeschlossen an psychiatrische Kliniken, in denen tagsüber Menschen mit psychischen Einschränkungen Halt, Beschäftigung und Therapie geboten wird, ohne dass sie ganz den Kontakt zu ihrem gewohnten Umfeld verlieren müssen. Gerade bei uns um die Ecke ist eine Klinik, die von Angehörigen gelobt wird, die über eine gute Tagesklinik und eine Institutsambulanz verfügen soll. Der Arzt meiner Tochter empfiehlt immer ein frühzeitiges Eingreifen, damit der Ausbruch verhindert werden kann.

Ich erzähle meiner Tochter von all diesen Möglichkeiten und sie ist interessiert – zum ersten Mal übrigens. Ja, ich habe ihr ok, ich darf dort anrufen und mich erkundigen und dann ist sie bereit, mit mir dort einmal hinzugehen. Ich bin erleichtert, denn das ist ein Durchbruch. Normalerweise weist sie alle meine Versuche ihr zu helfen, energisch von sich.

Ich durchforste das Internet. In dem einen Ort  kann man ab 09:00 anrufen. Ich warte höflich und rufe um 09:15 an. Keine Reaktion. Ich lasse lange klingeln, aber auch nach 10 Minuten hebt niemand ab und es wird auch nicht angeboten, auf einen Anrufbeantworter zu sprechen. Nun gut, denke ich, rufe ich später noch einmal an. In der Zwischenzeit versuche ich mein Glück im Internet beim Weglaufhaus. Ich lese alles sorgfältig durch und finde, dass das Konzept sehr gut klingt. Das könnte meine Tochter überzeugen. Inzwischen ist es 09:35. Ich rufe an und lasse lange klingeln, aber habe wieder keinen Erfolg. Es steht allerdings auch nicht auf der Webseite, wann man dort anrufen kann. Es war sicher die falsche Zeit. Oder überhaupt die falsche Herangehensweise. Niemand geht ans Telefon, kein Anrufbeantworter.

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Erst mal danke ich für all die guten und unterstützenden Kommentare und kann nur alle bitten, sich rege an der Diskussion zu beteiligen. Auch ich schreibe ja, weil es mir gut tut, mir etwas “von der Seele” schreiben zu können. Und ich kann nur profitieren von den Erfahrungen anderer in meiner Situation. Eine Angehörige hat geschrieben, dass ihr nur die Distanz bleibt, weil sie es sonst nicht aushält.

So weit bin ich im Moment auch. Judith hat bereits eine lange Zeit ihre Tabletten nicht genommen und ist natürlich wieder in einem total psychotischen Zustand. Die neue Wohnung ist schlimmer als die andere zuvor je wahr. Es sind schon mehrere Briefe vom Vermieter gekommen, dass die anderen Mieter sich beschweren, weil nachts Geschreie und Gepoltere aus ihrer Wohnung kommt. Das fände ich als Mieter auch entsetzlich. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn sie auch wieder aus dieser Wohnung geworfen wird. Die einzige Hilfe die ich habe, ist ihre Betreuerin, die sich zusammen mit dem Arzt jetzt kümmern wird und mir auch geraten hat, mich aus allem herauszuhalten. Ich versuche es, aber ihr kennt das sicher: Während ich mit Freunden zusammen sitze (was selten genug vorkommt) oder im Theater bin (noch seltener) oder einen schönen Film ansehe: Es gibt trotz aller Freude immer ein Grundrauschen: Tief in mir ist das Bild von Judith, wie sie in ihrer dreckigen Wohnung sitzt, schreit, Angst hat, wütend ist und selbst befürchtet, dass - wieder - die Polizei kommen wird und sie in die Klinik bringt.

Gibt es irgendwo Kurse, die uns Angehörigen vermitteln, wie wir uns etwas mehr lösen können? Wie wir auch dafür sorgen können, dass wir etwas Lebensqualität haben? Ich kenne vor allem Beschuldigungen von Ärzten “Nun lösen Sie sich doch mal von Ihrer Tochter” oder “Sie sind aber auch inkonsequent. Mal wollen Sie sich zurückziehen und dann gehen Sie wieder in die Wohnung und putzen für Ihre Tochter!” Ja, ist es denn nicht normal, in dieser Situation inkonsequent zu sein? Mal vor Erschöpfung sich zurück zu ziehen und dann wieder vor Sorge und Angst etwas für die Tochter zu tun, damit sie nicht völlig untergeht? Und dann der Vorwurf der “Co-Abhängigkeit”! Auch hier sind wir wieder “schuld” an etwas. Wir fördern die Krankheit bzw. tragen dazu bei, dass der Erkrankte (oder Süchtige) sich nicht selbst um seine Krankheit kümmert. Für alle gibt es Hilfe, aber für uns keine, zumindest keine, die über Gesprächsgruppen hinausgeht. Auch die sind wichtig, aber ich brauche wirklich kompetente Hilfe, wie ich mein Verhalten ändern kann, damit ich nicht untergehe. Und ich höre immer wieder von anderen Angehörigen,d ass es ihnen ähnlich geht.

Ein ganz furchtbares Thema: Das Geld. Wer hat auch Erfahrungen damit gemacht? Es gibt keine Situation, in der Judith nicht als erstes Geld von mir haben will. Sie hat keine Zigaretten mehr, keinen Kaffee, nichts zu essen. Dabei hat sie im Vergleich zu anderen, relativ viel Geld zur Verfügung. Aber wir wissen ja, dass das zur Krankheit gehört. Kaum hat sie ihr Geld abgeholt, ist es eine Stunde später auch schon wieder weg. Und wer schafft es, wenn sie zitternd und hochgradig erregt vor mir steht und schreit, dass sie sich ohne Zigaretten gleich vom Balkon stürzen kann? Ich schaffe es selten. Und gleichzeitig habe ich schon Angst vor dem nächsten Treffen, vor ihren Forderungen, vor ihrem Geschrei, vor ihrer Aggressivität. Ich weiß, dass ich ihre Beschuldigungen nicht persönlich nehmen sollte, sondern sie als Ausdruck ihrer Krankheit sehen muss. Aber wenn nicht? Wenn sie mich wirklich so hasst, wie sie es manchmal sagt? Oder eher schreit? Wenn ich die schlimmste Person überhaupt bin?

Im Moment bin ich wieder ganz verzweifelt. Ich freue mich auf Kommentare und Ratschläge.

Manfredonia zeigt in seinem Film, wie die Antipsychiatriebewegug in Italien dazu führt, dass psychisch Kranke aus teilweise schlimmen Asylen geholt wurden und man versuchte, sie menschenwürdig zu behandeln, ihnen Perspektiven durch genossenschaftliche Arbeit zu geben.  Zunächst einmal: Der Film ist gut gemacht, es spielen wunderbare Schauspieler mit und manchmal ist er auch sehr komisch. Es ist auch schön zu sehen, wie liebevoll mit den Figuren umgegangen wird.

Aber: Ich habe mich während des gesamten Films gefragt, wie wohl Menschen mit einer psychischen Erkrankung auf diesen Film reagieren werden: Die Schauspieler spielen “Verrückte” als lustige oder stumme oder etwas gewalttätige Deppen. Die natürlich, sobald man sie herausholt und sie Parkett legen lässt (ein Beispiel) und ihre Weiterlesen »

Heute Nacht habe ich das Buch von Susanna Kaysen verschlungen. Kaysen war oder ist selbst psychisch krank, war als junges Mädchen über 2 Jahre in der Psychiatrie. Sie schreibt mit  viel Durchblick, auch Witz und einem kritisch-ironischen Blick auf Ärzte, Diagnosen und die Behandlung in psychiatrischen Krankenhäusern. Und sie hat die Gabe, uns “Nicht-Kranken” eine Vorstellung zu ermöglichen von Wahn, von Verrücktheit, von der Solidarität der Kranken untereinander und den Versuchen der jungen Mädchen, sich ihr Leben wieder zurück zu holen.

Bildquelle: Amazon

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Ich war beeindruckt. Man liest das Buch wie einen Krimi und wenn man erst einmal anfängt, die Sätze zu unterreichen, bei denn man zustimmt oder die einem wichtig und neu vorkommen, dann ist schnell das ganz Buch rot.

Das Buch wurde  als “Girl Interrupted” oder auf Deutsch “Durchgeknallt” verfilmt im Angelina Jolie (großartig in diesem Film) und Wynona Rider (etwas zu niedlich für eine Psychotikerin). Auch ein sehenswerter Film, aber das Buch ist noch besser. Unbedingt lesen.

Im Mai war ich auf dem Internationalen Recovery Kongress in Bozen. Es war interessant und auch tröstlich, welche Initiativen es in Italien und auch in den USA gibt, die eine gute Alternative zum gängigen Psychiatrieaufenthalt zu sein scheinen. Ich berichte noch darüber.

Aber wir Angehörigen kamen wieder einmal nicht vor. Es hat keine Angehörige einen Vortrag gehalten, es wurde nicht über die Situation von Angehörigen gesprochen. Schade.

Wir tuen natürlich immer allen furchtbar leid, aber oft denke ich, dass Psychiater und andere Professionelle eher noch Ratschläge oder Therapien für diese schrecklichen Krankheiten haben als für uns. Ich habe noch kein Buch und keinen Rat gefunden, der uns sagt, was wir Angehörigen wirklich tun können, um unsere Situation zu verbessern. Und allmählich glaube ich auch, dass es nichts gibt, was uns hilft. Wenn wir Glück haben, dann gibt es immer wieder längere Pausen zwischen den Krankheitsphasen. Weiterlesen »

Ich glaube, dass einer der häufigsten Sätze, die ich von Freuden höre ist “Du darfst doch nicht…” oder Du kannst doch nicht…”. Natürlich darf ich nicht. Ich darf meiner Tochter nicht sagen, dass ich kein Lust mehr habe, mich ständig beschuldigen zu lassen, dass ich an allem, was ihr Schlimmes passiert Schuld habe. Ich darf sie nicht drängen, wenn es ihr nicht gut geht, obwohl der Umzug vor der Tür steht und ich - wer sonst - diesen Umzug organisieren muss. Ich darf sie aber auch nicht verwöhnen. Natürlich nicht. Und verwöhnen heisst auch, dass ich den billigsten Bodenbelag für sie nehmen soll, denn es ist ohnehin gleichgültig, wie die Wohnung aussieht, denn nach 10 Tagen oder vermutlich viel früher, ist alles wieder ebenso schlimm wie in der alten Wohnung. Weiterlesen »

Nathanael Lachenmeyers Vater leidet unter Schizophrenie. Das heißt, er hat darunter gelitten, denn jetzt ist er tot. Der Vater war ein bekannter Soziologe, der an der Universität lehrte und wichtige Bücher veröffentlich hat. Bis zu dem Zeitpunkt, als er dass alles nicht mehr konnte, weil die Wahnvorstellungen ihn in ihren Griff bekamen. Der Sohn hat sich von seinem Vater losgesagt, als er 18 war. Er  konnte es nicht mehr ertragen. “Ich kann nicht in Deiner Welt leben und Du nicht in meiner” ist das letzte, das er seinem Vater schrieb. Fünf Jahre später ist sein Vater obdachlos. Er stirbt auch als Obdachloser.

Quelle: Amazon

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Mit seinem Buch versucht Nathanael Lachenmeyer, der inzwischen auch Psychiater geworden ist,  wieder gut zu machen, was er glaubt, seinem Vater angetan zu haben. Das Ergebnis ist ein berührendes Buch, in dem erkennbar und begreifbar wird, was die Schizophrenie einem Menschen antun kann. Nathanael reist von Ort zu Ort, an dem sein Vater gelebt hat, hospitalisiert wurde, auffällig wurde oder von der Polizei entfernt werden musste. Er besucht Kollegen, Polizisten, Kaufhausdetektive und Obdachlose und Psychiater, die seinen Vater kannten und auch Gesten der Freundlichkeit einem schwierigen Menschen gegenüber zeigen konnten. Das Buch beschreibt die reale Situation der Familie Lachenmeyer. Es ist keine Fiktion.

Mir ist das Buch sehr nahegegangen. Und ich habe wieder viel gelernt. Und kann meine Tochter besser verstehen. Und schäme mich, wenn ich ihr gegenüber so ungeduldig werde.

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